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Manuelle Therapie
Was bringen Manipulations- und Mobilisationstechniken bei chronischen Rückenschmerzen?
Ein Cochrane-Review der aktuellen Evidenz
23.05.2026 • 4 Kommentare
Foto: Friedrich Merz | physio.de • Lizenz: CC-BY •
Schmerzen im unteren Rücken zählen zu den häufigsten muskuloskelettalen Gründen für einen Arztbesuch. Unspezifischer Rückenschmerz ist in Deutschland für rund fünf Prozent aller Krankschreibungstage verantwortlich. Aufgrund des stark biomechanisch geprägten Schmerzverständnisses haben sich unterschiedliche manuelle Techniken weit verbreitet. Die Cochrane Collaboration aktualisierte kürzlich die Übersichtsarbeit zum Nutzen der Manipulation und Mobilisation der Lendenwirbelsäule bei chronischen unteren Rückenschmerzen.

Bisherige Daten
Vor 15 Jahren erschien das letzte Cochrane-Review zu „Spinal manipulative therapy for chronic low-back-pain“. Die darin inkludierten randomisiert kontrollierten Studien wiesen darauf hin, dass sich durch diese Technik zwar statistisch signifikante, aber klinisch nicht relevante Effekte auf Schmerz und Funktion erzielen lassen. Bei akuten Beschwerden zeigte sich das gleiche Bild. Dies ist einer der Gründe, warum auch in der Nationalen Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz von diesen Maßnahmen eher abgeraten wird.

Für die Beantwortung der Fragestellung zur Kosteneffizienz (Krankschreibungszeit und Behandlungskosten) lagen zu wenige Arbeiten vor.

Methodik
Annemarie de Zoete und ihr KollegInnen durchsuchten im Herbst 2024 fünf Studiendatenbanken nach randomisiert kontrollierten Studien (RCT). Zudem überprüften sie zwei Studienregister, in denen wissenschaftliche Arbeiten vorangemeldet werden (können). Es wurden alle RCTs eingeschlossen, die Spinale Manipulative Therapie (SMT) und Mobilisationstechniken bei Erwachsenen mit chronischen unteren Rückenschmerzen untersuchten. Als Kontrollgruppen waren sowohl Placebointerventionen als auch „keine Behandlung“ oder andere konservative Maßnahmen zugelassen.

Als primäre Endpunkte wurden Schmerzen, funktioneller Status und unerwünschte Ereignisse (Nebenwirkungen) festgelegt.

Ergebnisse
Es konnten 76 Primärstudien mit 11.866 PatientInnen in die Übersichtsarbeit eingeschlossen werden. Die meisten Veröffentlichungen (n = 43 mit 8.291 ProbandInnen) verglichen die Manipulation mit anderen konservativen Maßnahmen. Vier Publikationen stellten die SMT keiner Intervention und 17 einer Placebobehandlung gegenüber. Die übrigen 12 Studien untersuchten andere Gegenüberstellungen – beispielsweise Kombinationen von Maßnahmen oder Vergleiche zwischen unterschiedlichen manuellen Techniken.

In der Metaanalyse wurden Teilauswertungen zu den verschiedenen End- und Zeitpunkten erstellt.

Schmerz
Im Vergleich zu Placebo zeigten sich beim Schmerz ausschließlich ein Monat nach der Intervention statistisch signifikante Unterschiede. Mit gerade einmal 7,01 Millimetern auf der 100-Millimeter-Skala war die Differenz allerdings nicht klinisch relevant. Nach 3, 6 und 12 Monaten waren keine Unterschiede mehr zu verzeichnen. Selbst gegenüber „keiner Intervention“ konnte die SMT keine bedeutsamen Effekte erzielen. Zwischen Manipulation und anderen Maßnahmen zeigten sich die geringsten Unterschiede.

Funktion
Bei der Gegenüberstellung von SMT und Scheinbehandlung zeigten sich nach einem und drei Monat/en statistisch signifikante Unterschiede zugunsten der Manipulation. Diese waren im ersten Zeitraum potenziell klinisch relevant. Gegenüber keiner Behandlung zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Im Vergleich zu anderen konservativen Maßnahmen bestanden keine klinisch relevanten Vorteile der SMT.

Komplexbehandlung
Fügte man die SMT als adjuvante Maßnahme zu anderen Interventionen hinzu, konnten – wie bereits bei der alleinigen Anwendung – nur minimale, klinisch irrelevante Effekte beobachtet werden. Dies galt sowohl für Schmerz als auch Funktion.

Die AutorInnen verglichen zusätzlich die verschiedenen Manipulationstechniken. Dabei erwies sich keine Variante überlegen. Zwischen Mobilisation und SMT bestand ebenfalls kein relevanter Unterschied.

Nebenwirkungen
Eine besonders starke Einschränkung der Ergebnisse besteht für die Fragestellung der Nebenwirkungswahrscheinlichkeit, denn nur die Hälfte aller Veröffentlichungen dokumentierten solche Effekte. In den Arbeiten, die diesen Endpunkt berichteten, fanden sich häufig leichte, aber keine schweren Nebenwirkungen. Meistens kam es zu kurzzeitigen Schmerzverstärkungen.

Sekundäre Endpunkte
Bei der Betrachtung der Lebensqualität und wahrgenommenen Genesung von den Beschwerden erwies sich die SMT ebenfalls nicht als förderlich.

Nur wenige Arbeiten untersuchten den Einfluss der SMT auf die Rückkehr zum Arbeitsplatz (Krankschreibungszeit). Diese waren zumeist methodisch stark limitiert. Die Ergebnisse waren sehr heterogen. Berücksichtigte man nur die Arbeiten mit mindestens „moderater“ Qualität, zeigten sich keine Unterschiede zwischen SMT und „keiner Intervention“, Placebo oder anderen konservativen Maßnahmen.

Limitationen
Die AutorInnen weisen – wie bereits in den vorherigen Reviews – auf die durchschnittlich geringe bis sehr geringe methodische Qualität der Primärstudien hin.

Sie resümieren: „Wenn wir randomisierte kontrollierte Studien weiterhin auf dieselbe Weise durchführen, wird dies weder die Evidenzbasis stärken noch unser Vertrauen in sie.“

Fazit
Bei Menschen mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen zeigt sich kein klinisch relevanter Nutzen von isolierten Mobilisations- und Manipulationstechniken. Auch als Add-on zu anderen konservativen Maßnahmen scheinen sie keinen Vorteil zu bieten. Gleichzeitig kommt es nicht selten zu Nebenwirkungen. Auch wenn diese eher leicht und kurzfristig auftreten, kann aufgrund der fehlenden positiven Effekte und der schlechten Kosteneffizienz keine Empfehlung für diese Methoden ausgesprochen werden.

Zusätzlich ist zu bedenken, dass die Unterschiede zwischen den betrachteten Maßnahmen in RCTs üblicherweise mit zunehmender Güte immer geringer werden. Die meisten Studien, die in diesem Review eingeschlossen wurden, weisen eine geringe bis sehr geringe methodische Qualität auf. Daher ist anzunehmen, dass selbst die aufgezeigten kleinen Effekte noch überschätzt sind.

Martin Römhild B.Sc. / physio.de

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ManipulationMobilisationManuelle TherapieRückenschmerzenChronischCochraneStudie


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MikeL
Vor 5 Tagen
Sorry, dass ist jetzt kein Kommentar zum Beitrag, sondern nur zu dem verwendeten Foto. Ist das Bild wirklich von Friedrich Merz aufgenommen oder hat er es mit einer KI generiert? Mir war nämlich nicht bekannt, dass physio.de inzwischen eine eigene Praxis betreibt, in der die Mitarbeiter die entsprechenden Shirts tragen!
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• Leni C.
• TMeisiek
Sorry, dass ist jetzt kein Kommentar zum Beitrag, sondern nur zu dem verwendeten Foto. Ist das Bild wirklich von Friedrich Merz aufgenommen oder hat er es mit einer KI generiert? Mir war nämlich nicht bekannt, dass physio.de inzwischen eine eigene Praxis betreibt, in der die Mitarbeiter die entsprechenden Shirts tragen!
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pt ani
Vor 5 Tagen
Dann hast Du es Dir schon selbst beantwortet smile
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• Leni C.
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pt ani schrieb:

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MikeL schrieb:

Sorry, dass ist jetzt kein Kommentar zum Beitrag, sondern nur zu dem verwendeten Foto. Ist das Bild wirklich von Friedrich Merz aufgenommen oder hat er es mit einer KI generiert? Mir war nämlich nicht bekannt, dass physio.de inzwischen eine eigene Praxis betreibt, in der die Mitarbeiter die entsprechenden Shirts tragen!

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Marcel Hefner
Vor 2 Tagen
Tatsächlich kann ich mich diesem Ergebnis guten Gewissens anschließen.
Ich selbst bin überzeugter Manualtherapeut und arbeite 80% auf Basis der Manuellen Therapie.
Allerdings dient es wirklich in den meisten Fällen zur Akutversorgung und auch nicht selten auch dem Kopf des Patienten.

Auf Basis von evidenzbasierter Therapie und auch einer selbst durchgeführten Fallstudie im Rahmen des Bachelor Studiums ist dies auch bestätigt. Die Patienten, gerade die chronischen Formen, benötigen Aktivität! Die häufigsten Beschwerden rühren von einer Instabilität, da weiß jeder vernünftige PT, dass man da stabilisieren muss und nicht mobilisiert.

Was jedoch alles nicht zu heißen hat, die manuelle Therapie zu verteufeln. Wie bereits erwähnt ist dies mein Hauptgebiet, jedoch muss man jeden Patienten individuell betrachten und die Limitationen seiner Therapie kennen.
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Tatsächlich kann ich mich diesem Ergebnis guten Gewissens anschließen. Ich selbst bin überzeugter Manualtherapeut und arbeite 80% auf Basis der Manuellen Therapie. Allerdings dient es wirklich in den meisten Fällen zur Akutversorgung und auch nicht selten auch dem Kopf des Patienten. Auf Basis von evidenzbasierter Therapie und auch einer selbst durchgeführten Fallstudie im Rahmen des Bachelor Studiums ist dies auch bestätigt. Die Patienten, gerade die chronischen Formen, benötigen Aktivität! Die häufigsten Beschwerden rühren von einer Instabilität, da weiß jeder vernünftige PT, dass man da stabilisieren muss und nicht mobilisiert. Was jedoch alles nicht zu heißen hat, die manuelle Therapie zu verteufeln. Wie bereits erwähnt ist dies mein Hauptgebiet, jedoch muss man jeden Patienten individuell betrachten und die Limitationen seiner Therapie kennen.
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Richie28
Vor 2 Tagen
Ich hab für die HWS, BWS und LWS ca. 5 Handgriffe, die ich regelmäßig anwende. Mehr braucht es nicht. Das ganze Gedöns drumherum kann man sich eigentlich schenken.
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Ich hab für die HWS, BWS und LWS ca. 5 Handgriffe, die ich regelmäßig anwende. Mehr braucht es nicht. Das ganze Gedöns drumherum kann man sich eigentlich schenken.
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Richie28 schrieb:

Ich hab für die HWS, BWS und LWS ca. 5 Handgriffe, die ich regelmäßig anwende. Mehr braucht es nicht. Das ganze Gedöns drumherum kann man sich eigentlich schenken.

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Marcel Hefner schrieb:

Tatsächlich kann ich mich diesem Ergebnis guten Gewissens anschließen.
Ich selbst bin überzeugter Manualtherapeut und arbeite 80% auf Basis der Manuellen Therapie.
Allerdings dient es wirklich in den meisten Fällen zur Akutversorgung und auch nicht selten auch dem Kopf des Patienten.

Auf Basis von evidenzbasierter Therapie und auch einer selbst durchgeführten Fallstudie im Rahmen des Bachelor Studiums ist dies auch bestätigt. Die Patienten, gerade die chronischen Formen, benötigen Aktivität! Die häufigsten Beschwerden rühren von einer Instabilität, da weiß jeder vernünftige PT, dass man da stabilisieren muss und nicht mobilisiert.

Was jedoch alles nicht zu heißen hat, die manuelle Therapie zu verteufeln. Wie bereits erwähnt ist dies mein Hauptgebiet, jedoch muss man jeden Patienten individuell betrachten und die Limitationen seiner Therapie kennen.



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