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Bei bis zu 25 Prozent der PatientInnen treten Komplikationen während und nach dem chirurgischen Eingriff auf. In erster Linie hat dies Auswirkungen auf die Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und die Intensität von Symptomen. Ferner resultieren daraus längere Krankenhausaufenthalte und damit höhere Versorgungskosten.
Weltweit arbeiten ÄrztInnen, TherapeutInnen und ForscherInnen daran, aufseiten der Operationstechnik und der intra- sowie postoperativen Versorgung die Risiken für solche Komplikationen zu reduzieren. Gleichzeitig wurde erkennbar, dass der präoperative Status eine wesentliche Rolle spielen kann. Bei Notfalloperationen lässt sich an diesem Zustand nichts mehr ändern. Für elektive Eingriffe besteht hingegen ein Zeitfenster vor der Operation, welches zur Veränderung dieses potenziellen Einflussfaktors genutzt werden könnte.
In einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wurde nun die Datenlage zur Prähabilitation – bestehend aus Training oder Ernährung – zusammengefasst.
Methodik
Die AutorInnen durchsuchten die einschlägigen Datenbanken nach randomisiert kontrollierten Studien (RCT), die sich gezielt mit dem Einfluss der Prähabilitation auf die Aufenthaltsdauer und Anzahl von Komplikationen innerhalb des ersten Quartals nach einem elektiven operativen Eingriff befassten. Berücksichtigt wurden ausschließlich Veröffentlichungen, die als Intervention Ernährungsanpassungen oder Training untersuchten.
Ergebnisse
Es konnten 23 RCTs in die Analyse einbezogen werden. Diese hatten eine moderate bis hohe methodische Qualität und ein geringes bis moderates Verzerrungsrisiko (Risk of BIAS). Die Trainingsprogramme beinhalteten vorwiegend intensive bis hoch-intensive Kraft-/Widerstandstrainings oder deren Kombination mit Ausdauer-, Balance- oder Beweglichkeitsübungen. Die Ernährungsstudien nutzen eine Diät mit erhöhter Zufuhr von Proteinen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omegas).
Von den 18 Studien, die ein Übungsprogramm einsetzten, dienten die meisten der Prähabilitation vor endoprothetischen (n = 8) und kardiovaskulären (n = 4) Operationen. Diese wurden zwischen 2 bis 24 – im Mittel rund 4 Wochen – lang durchgeführt. Die fünf Arbeiten mit Ernährungsintervention untersuchten vorwiegend gastrointestinale und kardiovaskuläre Eingriffe. Hier lag die Interventionsdauer zwischen 5 Tagen und 4 Wochen.
Krankenhausverweildauer
Trainingsprogramme hatten keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. PatientInnen, die eine Ernährungsanpassung vor der Operation erhielten, konnten hingegen durchschnittlich 1,15 Tage früher als die Personen der Kontrollgruppe entlassen werden.
Komplikationsrate
Hier zeigt sich das Bild genau entgegengesetzt. Während die Ernährungsumstellung keinen signifikanten Effekt hervorrief, war bei PatientInnen, die ein Training durchführten, die Chance* Komplikationen zu erleiden auf 45 Prozent der Kontrollgruppe reduziert.
Sekundäre Outcomes
Neben der Verweildauer und der Komplikationsrate wurden auch weitere Endpunkte betrachtet. Hier zeigten Trainingsprogramme große Effekte auf die Lebensqualität. Auf Schmerz und mentale Gesundheit konnten hingegen keine statistisch signifikanten Wirkungen – weder durch Übungen noch Ernährungsumstellung – ermittelt werden.
Fazit
Übungen sorgen für weniger Komplikationen und mehr Lebensqualität – Ernährungsumstellung hingegen für eine schnellere Entlassung aus dem Krankenhaus. Dies ist das Resümee, welches aus der Meta-Analyse gezogen werden könnte. Allerdings ist – wie üblich – zu bedenken, dass die eingeschlossenen Arbeiten zwar methodisch sauber waren, doch zu den jeweiligen Arten der Eingriffe teilweise nur eine einzige Arbeit vorlag. Zudem waren die Interventionszeiträume eher kurz. Somit bleibt die Schlussfolgerung deutlich limitiert.
Dennoch sprechen die Erkenntnisse eine deutliche Sprache: Es braucht mehr Forschung zu Prähabilitation, denn diese kann die Versorgung potenziell deutlich verbessern und damit das Gesundheitssystem entlasten. Denn der finanzielle Aufwand für Übungsprogramme und Ernährungsumstellung ist im Vergleich zur umfangreicheren Versorgung bei Komplikationen verhältnismäßig gering.
Zu bedenken ist außerdem, dass die Fragestellung hier auf „nicht vermeidbare Eingriffe“ fokussiert war. Die mögliche Reduktion von operativen Eingriffen, wie sie beispielsweise das GLA:D-Programm bewirken kann, waren nicht Teil dieser Arbeit.
Martin Römhild B.Sc. / physio.de
* Chance stellt die korrekte Übersetzung des (wissenschaftlichen) Fachterminus der Odds Ratio dar. Dies kann sprachlich leicht verwirrend wirken, ist aber nicht mit der Wahrscheinlichkeit zu verwechseln.
Mathematisch gesehen errechnet sich die Chance anhand der Anzahl der Fälle von Komplikationen in Gruppe A geteilt durch die in Gruppe B. Die Wahrscheinlichkeit hingegen ist A durch die Anzahl aller Fälle beider Gruppen – also A/(A+B).
Die Wahrscheinlichkeit kommt zur Anwendung, wenn beispielsweise in derselben Gruppe ein Vorher-Nachher-Vergleich aufgestellt wird. Die Chance kommt hingegen bei Zwischengruppenvergleichen zum Einsatz, da die zwei Wahrscheinlichkeiten der Gruppen gegenübergestellt werden.
PrähabilitationOPGLA:DKrankenhausErnährungTrainingSchmerzenStudie
So, und nun bitte keine belehrenden Hinweise, ich könne die Studien doch lesen, wenn ich eine Antwort auf meine Frage haben wollte!
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pt ani schrieb:
"Die Ernährungsstudien nutzen eine Diät mit erhöhter Zufuhr von Proteinen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omegas)."
Ich denke, darauf beschränkt es sich.
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MikeL schrieb:
@pt ani
pt ani schrieb am 20.06.2026 08:57 Uhr:"Die Ernährungsstudien nutzen eine Diät mit erhöhter Zufuhr von Proteinen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omegas)." Oh, jetzt wo du es sagst, sehe ich es auch. Das ist ja wirklich lächerlich wenig, aber durchaus typisch für eine medizinische Studie, die sich mit Ernährung befasst. Null Stunden und Null Minuten Ernährung im Medizinstudium (und natürlich auch in den Therapieberufen), lassen eigentlich nichts anderes erwarten, als die aus Frauenzeitschriften und der Apothekenumschau bekannten Empfehlungen.
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MikeL schrieb:
In den wissenschaftlichen Arbeiten wurde doch sicher darauf eingegangen, welcher Art die präoperative Ernährungsumstellung war, die zu dem beschriebenen Erfolg geführt hat. Warum sind diese hier nicht erwähnt? War es etwa erhöhte Zufuhr von Vitamin C? (Hier gab es schon in den 80er Jahren Studien, die eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus aufgrund schnellerer Wundheilung belegt haben). Verzicht auf Schweinefleisch oder Milchprodukte oder Reduktion von Zucker und Alkohol könnte ich mir ebenfalls vorstellen. Ohne diese Information, die ich für die mit Abstand wichtigste in einer solchen Zusammenfassung halte, hat dieser Bericht zwar einen gewissen Unterhaltungswert, leider aber einen zu geringen Informationswert.
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Stefan Preißler schrieb:
"Wer gesund Alt werden möchte, muß gesund jung sein."
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