MEDIAN Deutschland ist Teil der
MEDIAN Group, einem der führenden
europäischen Anbieter auf dem
Gebiet der medizinischen
Rehabilitation und der psychischen
Gesundheit. Mit mehr als 120
Einrichtungen in ganz Deutschland
bietet MEDIAN ein dynamisches und
innovatives Umfeld für
Beschäftigte in den
unterschiedlichsten Fach- und
Servicebereichen mit vielfältigen
Einstiegs- und
Entwicklungsmöglichkeiten. Als
Spezialist für Rehabilitation und
Teilhabe begleiten wir unsere
Patientinnen und Patien...
MEDIAN Group, einem der führenden
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Gesundheit. Mit mehr als 120
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Aus physiotherapeutischer Perspektive kann durchaus Frustration entstehen, wenn PatientInnen trotz langer Therapie wieder einmal fallen. Dabei kann hier schon aus wissenschaftlicher Perspektive niemandem ein Vorwurf gemacht werden. Selbst Konzepte, die länger als die in Deutschland üblichen 20 bis 25 Minuten Therapie ermöglichen, wiesen in einer Cochrane Meta-Analyse aus dem Jahr 2013 keine positiven Effekte auf das Sturzrisiko auf. Ein australischer Ansatz soll das nun ändern.
Lifestyle-Integrated Functional Exercise
Obwohl die Idee der Lifestyle-Integrated Functional Exercise (LiFE) ein komplettes Buch füllt, lässt sie sich auch in wenigen Zeilen recht präzise beschreiben.
Die Grundannahme wird niemand abstreiten: Therapiezeit allein kann nie genug sein, um motorische Kontrolle zu verbessern. Weil PatientInnen aber selten die Motivation besitzen, täglich Gleichgewichtsübungen durchzuführen, bleiben Therapie-Effekte auf der Strecke. LiFE integriert simple Gleichgewichtsübungen in alltägliche Muster. In der Therapie wird Betroffenen erklärt, welche Dinge wichtig sind: Tandemstand, Einbeinstand, Fußheber- und Senker benutzen, den Oberkörper weit zur Seite neigen und natürlich auch die Knie wieder beugen. Danach werden Alltagssituationen ermittelt, in denen diese motorischen Fähigkeiten trainiert werden sollen – jedes Mal. So soll der Geschirrspüler immer mittels Kniebeuge ausgeräumt werden, der Flur im Tandemgang (mit Sicherung der Hand an der Wand) entlanggegangen werden oder bei der Treppe bewusst Quadrizeps und Wadenmuskulatur genutzt werden, anstatt sich am Geländer hochzuziehen. Dazu erfolgt natürlich noch eine Sturzberatung: Teppiche raus, Nachtlichter mit Bewegungsmelder in die Wohnung. PhysiotherapeutInnen kennen das und wissen natürlich auch, wie häufig die persischen Stolperfallen dann tatsächlich die Wohnung verlassen.
Die Studie
Das LiFE-Konzept existiert bereits seit 2014, allerdings fand bisher keine empirische Überprüfung statt. Mit der nun publizierten FAST-Studie (Falls After Stroke Trial) wird das Konzept erstmals wissenschaftlich untermauert. Die randomisiert kontrollierte Studie evaluierte die Daten von 370 Menschen, die innerhalb der letzten fünf Jahre einen ersten Schlaganfall erlitten hatten, mindestens 50 Jahre alt waren, zu Hause lebten, ihre Rehabilitation bereits abgeschlossen hatten und mindestens zehn Meter mit oder ohne Hilfsmittel gehen konnten. Personen mit starker Aphasie oder sehr guter Gehgeschwindigkeit (schneller als 1,4 Meter pro Sekunde) ohne Sturz im Vorjahr wurden ausgeschlossen.
Durchgeführt wurde die Intervention von Physio- oder ErgotherapeutInnen. Die Hälfte der ProbandInnen erhielt sieben einstündige Hausbesuche in den ersten sieben Wochen, drei Auffrischungsterminen in den Wochen 13, 15 und 23 sowie zwei Telefonkontakten in den Wochen 9 und 19. Die Kontrollgruppe bekam die „übliche Versorgung“, die wie so oft nicht genauer dokumentiert wurde. Für die Datenerfassung hielten die ProbandInnen die Anzahl ihrer Stürze in einem Sturztagebuch fest.
Ergebnisse
Der Blick auf die Zahlen wirkt erst einmal ernüchternd: In beiden Gruppen stürzten etwa gleich viele Menschen: 56 Prozent in der Interventionsgruppe und 59 Prozent in der Kontrollgruppe.
Allerdings unterschied sich die Anzahl der Stürze insgesamt erheblich: Nach zwölf Monaten war die Sturzrate in der Interventionsgruppe um 33 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe. Die Interventionsgruppe wies im Mittel 1,8 Stürze pro Person und Jahr auf, die Kontrollgruppe 2,7. Also: Wer sturzgefährdet ist, stürzt – mit gezieltem Training aber weniger häufig.
Dazu ergaben sich in der Interventionsgruppe Vorteile bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, bei der Selbstwirksamkeit, bei der Gehgeschwindigkeit und beim Gleichgewicht. Das Ziel, PatientInnen zu mehr Selbstwirksamkeit zu verhelfen, hatte das LiFE-Programm also offensichtlich erreicht.
Ein Modell für Deutschland
Aus der Studie lassen sich sicherlich einige simple Interventionsmöglichkeiten ableiten, die auch im deutschen System funktionieren. Übungen in den Alltag zu integrieren ist zwar nicht wirklich eine neue Idee, aber vielleicht gerade deswegen nicht die erste Wahl bei der Therapie. Was hierzulande fehlt, ist die Zeitkomponente von sage und schreibe einer Stunde – die eine solide Basis dafür bilden konnte, dass die ProbandInnen später überhaupt keine Therapie mehr benötigten. Die FAST-Studie ermöglicht also eine Perspektive darauf, wie Versorgung in Zukunft gestaltet werden könnte – weg von Dauertherapie, hin zu intensiven Interventionen, die letztlich die Betroffenen in die Selbstständigkeit entlassen. Dazu kommt eine Prise Demut: Physiotherapie kann nicht alle Stürze verhindern. Aber sie kann das Leben ein gutes Stück besser machen.
Eine Patientenbroschüre zum LiFE-Programm in englischer Sprache finden Sie hier.
Daniel Bombien / physio.de
SturzprophylaxeApoplexPräventionStudie
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