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Helmut Schröder und Prof. Dr. Christian Kopkow
Lizenz: CC-BY •Diese Diskussion ist nicht neu, und sie wird an anderer Stelle ausführlich – und oft kritisch gegenüber den Therapieberufen – geführt. Der Heilmittel-Report 2026 hat jedoch einen anderen Schwerpunkt gesetzt, der in der öffentlichen Debatte bislang kaum vorkommt: die Qualität der Heilmittelversorgung. In 23 Kapiteln wird diskutiert, wie sich Qualität in der Heilmittelversorgung überhaupt messen lässt, wo es hakt – und was sich ändern müsste. Genau diese Themen lohnen einen genaueren Blick.
Warum ausgerechnet jetzt die Qualität im Fokus steht
Eine zentrale Beobachtung zieht sich durch den gesamten Report: Über die Qualität der Heilmittelversorgung ist erstaunlich wenig bekannt – ganz anders als etwa im Krankenhaussektor, wo es längst etablierte Qualitätsberichte und verbindliche Indikatoren gibt. So fehlt auch für die Physiotherapie bislang weitgehend, was anderswo selbstverständlich ist: Eine systematische Antwort auf die Frage, ob eine Behandlung wirklich gut war.
Genau hier setzt ein Grundlagenkapitel des Reports an, das sich mit der Frage beschäftigt, was Qualität in der Gesundheitsversorgung überhaupt bedeutet und wie sie sich messen lässt. Es geht eben nicht nur um Wartezeiten, Patientenzufriedenheit oder persönliche Meinungen, sondern auch um Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität – also auch darum, ob Physiotherapie tatsächlich zu einer messbaren Verbesserung von z. B. Funktion, Schmerz oder Lebensqualität führt. Solange solche Fragen für den Heilmittelbereich kaum systematisch beantwortet werden, bleibt auch unklar, wo wirklich Verbesserungsbedarf besteht – und wo die Versorgung längst gut funktioniert.
Akademisierung: Deutschland hinkt hinterher
Der Report behandelt auch die Frage, wie die Ausbildung der Heilberufe gestaltet sein sollte und fasst zusammen, dass in den meisten europäischen Ländern beispielsweise mindestens ein Bachelorabschluss Voraussetzung ist, um als Physiotherapeutin oder Physiotherapeut zu arbeiten. Im Hinblick auf die überfällige Novellierung der gesetzlichen Grundlage ist Deutschland das Schlusslicht bei der Modernisierung der Gesundheitsberufe in Europa und insgesamt im internationalen Vergleich. Eine Differenzierung innerhalb der Berufe und bei der Aufteilung der Verantwortlichkeiten könnte – insbesondere auch vor einer möglichen Einführung des Direktzugangs – auch für Deutschland ein gangbarer Weg sein. Dass die Akademisierung kein Selbstzweck ist, sondern als Mittel zur langfristigen Sicherung der Versorgungsqualität verstanden werden sollte, wird im Heilmittel-Report 2026 ausgeführt.
Interprofessionelle Zusammenarbeit als Zukunftsmodell
Eng verbunden mit der Ausbildungsfrage ist ein weiteres großes Thema des Reports: die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gesundheitsberufen.
Mehrere Beiträge beschäftigen sich damit, wie eine engere interprofessionelle Zusammenarbeit und Versorgung aussehen könnte – etwa durch interprofessionell und von Ärztinnen und Ärzten sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten gemeinsam abgestimmte Behandlungspfade oder einen direkteren Austausch zwischen den Berufsgruppen im Versorgungsalltag.
Die Grundidee dahinter: Patientinnen und Patienten mit komplexen Beschwerdebildern profitieren oft mehr von gut abgestimmten Teams. Wie sich das in den ohnehin dichten Praxisalltag integrieren lässt, bleibt eine offene Frage. Der Report liefert dazu aber erste konkrete Modelle und internationale Beispiele – und erklärt interprofessionelle Zusammenarbeit explizit zu einem der Zukunftsthemen der Branche, etwa im Hinblick auf das derzeit in Planung befindliche Primärversorgungssystem, die bereits in der Ausbildung vorbereitet werden muss.
Leitlinien als Schlüssel zu besserer Versorgungsqualität
Wenn es um konkrete Instrumente zur Qualitätsverbesserung geht, widmet der Report den Leitlinien besonders viel Raum – und das aus gutem Grund. Leitlinien enthalten berufsgruppenübergreifende Handlungsempfehlungen und sind ein nützliches Instrument zur Verbesserung der Versorgungsqualität in der Gesundheitsversorgung. An ihrer Entwicklung sind Berufsverbände und wissenschaftliche Fachgesellschaften aus dem Heilmittelbereich aktiv beteiligt – Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten wirken etwa aktiv am Zustandekommen von Empfehlungen mit und bringen berufsspezifische Expertise ein. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Problematisch sind zum aktuellen Zeitpunkt die mangelnde Bekanntheit und Umsetzung der vorhandenen Leitlinien. So gaben beispielsweise in einer deutschlandweiten Befragung nur rund 30 Prozent der teilnehmenden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten an, die Nationale Versorgungsleitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz zu kennen.
Die Lücke zwischen Leitlinienempfehlungen und Versorgungsalltag wird im Heilmittel-Report dargestellt, auch auf der Verordnungsseite: Im Rahmen des Qualitätsindikatorensystems für die ambulante Versorgung (QISA) von AOK und dem Göttinger aQua-Institut wurde ausgewertet, wie häufig Patientinnen und Patienten mit anhaltenden Rückenschmerzen und mindestens vierwöchiger Arbeitsunfähigkeit tatsächlich leitliniengerecht Physiotherapie verordnet bekommen – mit dem Ergebnis, dass dies nur bei knapp der Hälfte der Fall war. Hier liegt also viel Potenzial für eine Verbesserung der Versorgung.
Das QISA-Beispiel zeigt zudem, wie wertvoll es sein kann, sich an Kooperationen zur Messung der Versorgungsqualität auf der Basis von Abrechnungsdaten zu beteiligen: Diese ohnehin vorliegenden Daten können helfen, blinde Flecken im Verordnungs- und Behandlungsverhalten sichtbar zu machen – eine Voraussetzung dafür, diese Lücken überhaupt gezielt schließen zu können.
Fazit
Insgesamt zeichnet der Heilmittel-Report 2026 ein Bild, das weit über Ausgabenkurven hinausgeht. Es geht auch um die Frage, wie sich die Physiotherapie als Profession weiterentwickelt – durch eine zeitgemäße Ausbildung, durch engere Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen, durch einen besseren Transfer von Forschung in die Praxis und durch eine Qualitätsmessung, die endlich auch im ambulanten Heilmittelbereich ankommt.
Der Heilmittel-Report 2026 macht deutlich: Die Frage „Wie teuer ist die Heilmittelversorgung?“ ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere – und etwa für die Zukunft der Physiotherapie vermutlich entscheidendere – Frage lautet: Wie gut ist sie wirklich, und woran lässt sich das festmachen? Wer sich nur mit den Kosten beschäftigt, übersieht die spannenderen und für die eigene Profession folgenreicheren Diskussionen, die der online frei verfügbare Heilmittel-Report 2026 in seinen 23 Kapiteln eröffnet.
Wir als Herausgebende des Heilmittel-Reports 2026 hoffen, dass wir mit diesem Sammelband eine Diskussion über die Qualität in der Heilmittelversorgung angestoßen haben. Wir würden uns wünschen, dass wir gemeinsam die im Report benannten offenen Fragen beantworten. Wir gehen davon aus, dass die Berufe im Heilmittelbereich dann in nicht zu ferner Zukunft ganz selbstbewusst den Nachweis erbringen können, dass jeder in die Heilmittelversorgung investierte Euro die Qualität der Versorgung der Patientinnen und Patienten erhöht. Wenn dadurch dann weniger Medikamente eingesetzt oder Operationen überflüssig gemacht werden, kann dies nicht nur viel Leid, sondern auch Kosten vermeiden helfen.
Prof. Dr. Christian Kopkow / Professor für Physiotherapie an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU)
Helmut Schröder / Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)
Anmerkung der Redaktion:
Dieser Gastbeitrag kam explizit als Reaktion auf unseren kritischen Bericht zur AOK-Pressekonferenz zustande.
HeilmittelreportAOKKopkowGastbeitragLeitlinie
So sieht die perfekte Welt aus, so wird der Mainstream bedient.
Physios mit akademischer Ausbildung haben bestimmt einen hohen Wissenstand.
Aber es gibt doch immer die Kluft zwischen Wissen und praktischer Umsetzung.
aber darum geht es doch letztendlich, ich habe nurdie Befürchtung dass durch die Akademisierung der Zeitdruck zunimmt.
Der Verdienst wird höher die GKVen kürzen.
Fragt mal die Akademikerkollegen, die Ärzte, bei dehen sind die Einsparungen schon voll angekommen.
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Danke für den Input!
Hmmm , den ersten Satz verstehe ich leider nicht, deshalb kann ich darauf nicht antworten.
Die praktische Umsetzung ist ganz gewiss entscheidend, und deshalb bin ich auch so begeistert, wie ich es geschildert habe, denn genau die prüfe ich permanent.
Das mache ich, indem ich
- mit meinen Kolleg:innen über ihre Patient:innen spreche, und damit ich das kann, bin ich selbst nur halbtags in der Rolle als Therapeut und ansonsten als Leiter, Coach … ansprechbar
- die Rückmeldungen von Patient:innen höre, die ich bei neuen Kolleg:innen sehr gerne bei erster Gelegenheit auch selbst behandle, damit ich weiß, was in meinem Namen geschieht (und ich rechne beim Feedback so gut es geht den hohen Anteil Placebo raus, den insbesondere junge begeisterte Therapeut:innen auslösen ;0)
- die sehr genaue Dokumentation bei den Patient:innen checke, die ich nicht selbst sehe
- die Zahlen sehe, also die Anzahl an Behandlungen, die durchgeführt werden.
Was genau meinst du mit dem Zusammenhang zwischen Akademisierung und dem höheren Zeitdruck? Wenn es darum gehen würde, (noch) zielgerichtet(er) zu behandeln, wäre das mE auch irgendwie gut, denn wir haben perspektivisch so viel zu tun, dass Effektivität einfach das Maß aller Dinge sein muss. Es ist total schön, wenn man Patient:innen super sorgfältig bis zum optimalen Ergebnis begleiten kann - aber solange man sich als Teil der Gesundheitsversorgung sieht, bedeutet das auch schon ohne Kürzungen, dass andere entweder viel später oder gar nicht behandelt werden. Denn:
1. Schauen die Mediziner auf die Mengen, und das ist ja auch logisch, man denke nur an die Zeit vor dem HMK
2. sind wir, wie wir alle wissen, eine endliche Ressource.
Ich schätze auch, dass bei den Ärzt:innen gekürzt wird. Bisher hat noch keiner meiner Freunde, die das betrifft, Existenzängste geäußert. Die haben ihre Einkommensseite, auch auf den Berufsstand betrachtet, überwiegend ziemlich souverän im Griff. Aber sich ärgern, das tun sie in solchen Fällen durchaus. Zu ihrem Glück haben sie eine richtig starke Vertretung, und sie passen sich sehr schnell an neue Umstände an.
Das durchschnittliche und das Medianeinkommen von Akademiker:innen liegen deutlich oberhalb von unserem, bei Ärzt:innen sogar sehr weit drüber. Falls also der Einstieg und die Entwicklung der Gehälter bei uns durch Akademisierung daran angepasst würden, wäre das, denke ich, schon eine Verbesserung.
Aber natürlich wird dadurch nicht automatisch alles super. Wenn allerdings meine Vermutung stimmt und die Akademisierung einerseits zu anständigen Gehältern für alle Physios und gleichzeitig zu guten / besseren Ergebnissen führt, wodurch die weiterhin knappe Ressource Physiotherapie besser genutzt wird (es wird ja sowieso überall knapp, und es müssen schließlich auch noch produktive Tätigkeiten erfüllt werden, damit nicht zuletzt unsere Arbeit finanziert wird … ;0), dann wäre für mich der allerwichtigste Punkt erreicht.
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jensing schrieb:
@Michel 81:
Danke für den Input!
Hmmm , den ersten Satz verstehe ich leider nicht, deshalb kann ich darauf nicht antworten.
Die praktische Umsetzung ist ganz gewiss entscheidend, und deshalb bin ich auch so begeistert, wie ich es geschildert habe, denn genau die prüfe ich permanent.
Das mache ich, indem ich
- mit meinen Kolleg:innen über ihre Patient:innen spreche, und damit ich das kann, bin ich selbst nur halbtags in der Rolle als Therapeut und ansonsten als Leiter, Coach … ansprechbar
- die Rückmeldungen von Patient:innen höre, die ich bei neuen Kolleg:innen sehr gerne bei erster Gelegenheit auch selbst behandle, damit ich weiß, was in meinem Namen geschieht (und ich rechne beim Feedback so gut es geht den hohen Anteil Placebo raus, den insbesondere junge begeisterte Therapeut:innen auslösen ;0)
- die sehr genaue Dokumentation bei den Patient:innen checke, die ich nicht selbst sehe
- die Zahlen sehe, also die Anzahl an Behandlungen, die durchgeführt werden.
Was genau meinst du mit dem Zusammenhang zwischen Akademisierung und dem höheren Zeitdruck? Wenn es darum gehen würde, (noch) zielgerichtet(er) zu behandeln, wäre das mE auch irgendwie gut, denn wir haben perspektivisch so viel zu tun, dass Effektivität einfach das Maß aller Dinge sein muss. Es ist total schön, wenn man Patient:innen super sorgfältig bis zum optimalen Ergebnis begleiten kann - aber solange man sich als Teil der Gesundheitsversorgung sieht, bedeutet das auch schon ohne Kürzungen, dass andere entweder viel später oder gar nicht behandelt werden. Denn:
1. Schauen die Mediziner auf die Mengen, und das ist ja auch logisch, man denke nur an die Zeit vor dem HMK
2. sind wir, wie wir alle wissen, eine endliche Ressource.
Ich schätze auch, dass bei den Ärzt:innen gekürzt wird. Bisher hat noch keiner meiner Freunde, die das betrifft, Existenzängste geäußert. Die haben ihre Einkommensseite, auch auf den Berufsstand betrachtet, überwiegend ziemlich souverän im Griff. Aber sich ärgern, das tun sie in solchen Fällen durchaus. Zu ihrem Glück haben sie eine richtig starke Vertretung, und sie passen sich sehr schnell an neue Umstände an.
Das durchschnittliche und das Medianeinkommen von Akademiker:innen liegen deutlich oberhalb von unserem, bei Ärzt:innen sogar sehr weit drüber. Falls also der Einstieg und die Entwicklung der Gehälter bei uns durch Akademisierung daran angepasst würden, wäre das, denke ich, schon eine Verbesserung.
Aber natürlich wird dadurch nicht automatisch alles super. Wenn allerdings meine Vermutung stimmt und die Akademisierung einerseits zu anständigen Gehältern für alle Physios und gleichzeitig zu guten / besseren Ergebnissen führt, wodurch die weiterhin knappe Ressource Physiotherapie besser genutzt wird (es wird ja sowieso überall knapp, und es müssen schließlich auch noch produktive Tätigkeiten erfüllt werden, damit nicht zuletzt unsere Arbeit finanziert wird … ;0), dann wäre für mich der allerwichtigste Punkt erreicht.
Ich denke aber schon auch, dass die Akademisierung Sinn macht. Doch nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen! Kostenlose Studiengänge, unabhängiges Arbeiten und eine flachere Hierarchie im gesamten Gesundheitswesen.
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anika666 schrieb:
@jensing Akademisierung bedeutet nicht automatisch höhere Gehälter, schon gar nicht im Gesundheitswesen. Viele Akademiker verdienen nicht viel Geld. Es kommt immer drauf an in welchem Bereich man arbeitet. Häufig gibt es auch ganz andere Aufstiegschancen, bspw. in der Industrie. Normale Ingenieure verdienen häufig nicht mehr als ein Schichtarbeiter, aber sie können Karriere machen. Und jetzt bricht die gutbezahlende Autoindustrie auch noch weg. Und warum sollte es zu besseren Ergebnissen kommen? Im Verhältnis zu anderen Ländern sind die Ergebnisse auch nicht besser oder schlechter.
Ich denke aber schon auch, dass die Akademisierung Sinn macht. Doch nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen! Kostenlose Studiengänge, unabhängiges Arbeiten und eine flachere Hierarchie im gesamten Gesundheitswesen.
Den Placeboeffekt rausrechnen ist weder möglich noch nötig, hochmotivierte Mitarbeiter die den erzeugen können sind Gold wert.
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michael81 schrieb:
Der Mensch sollte nicht als Rechengröße wahrgenommen werden, zu glauben Symptombilder lassen sich in Raster packen hat keine Ahnung vom Praxisalltag.
Den Placeboeffekt rausrechnen ist weder möglich noch nötig, hochmotivierte Mitarbeiter die den erzeugen können sind Gold wert.
Ich sag es mal einfach so.
„Symptombilder“, das klingt für mich nach:
Bestimmte Symptome (insbesondere Cluster von ihnen) geben erstmal Hinweise darauf dass es vielleicht bestimmte Faktoren gibt, die die Probleme verursachen. Für mich hat das, neben der Tatsache, dass Wissenschaft, die gesamte Lehre und die Diagnostik genau darauf beruhen, auch eine gewisse Logik.
Wenn ich Patient:innen begegne, denen zur Lösung ihrer Probleme genau die Auffassung im Weg steht, dass ihre Beschwerden einzig ihrer ganz eigenen und besonderen Beschaffenheit geschuldet sind, dann versuche ich ihnen mit einem Bild zu helfen:
Aktuell sind wir etwa 8 Milliarden Menschen, vor und nach uns gab und gibt es noch unzählige weitere. Die Wahrscheinlichkeit, dass es angesichts dieser Zahlen ein absolut einmaliges Phänomen gibt, das genau sie trifft, ist relativ gering.
Andersrum betrachtet ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr Problem auch viele viele andere Menschen betrifft. Wenn bei denen ähnliche „Symptombilder“ aufgetreten sind und die dann von bestimmten Maßnahmen oder Verhaltensweisen profitiert haben, könnte es zumindest einen Versuch wert sein, sich ähnlich zu verhalten …
Das klappt häufig ganz gut, bilde ich mir zumindest nach etwa 15.000 versorgten Patient:innen, und das sogar in verschiedenen Regionen und Ländern, ergo Kulturen, ein.
Ob das belegt, dass da „Ahnung vom Praxisalltag“ hintersteckt, mag dahingestellt bleiben.
Jedenfalls nimmt dieser Ansatz nach meiner Erfahrung den Menschen zudem auch ein bisschen diese Last der Einzigartigkeit, die in hoch individualistisch orientierten, gleichzeitig in manchen Bereichen immer wieder zur Esoterik neigenden Gesellschaften wie unserer verbreitet ist.
Selbstverständlich ist insbesondere die Kommunikation über mögliche Maßnahmen dann sehr angepasst an das Individuum, das tatsächlich wiederum eine Mischung aus verschiedenen Vorerfahrungen, Erwartungen, Auffassungen usw. mitbringt - das macht es ja so spannend im berühmten „Praxisalltag“.
Bei unseren skandinavischen Kolleg:innen wäre die Antwort auf die Idee, nicht von einem wissenschaftlichen Ansatz (wie oben beschrieben), sondern von einem hoch individualistischen aus zu starten, übrigens wahrscheinlich einfach:
„Hæ??”
Das mit dem Placeboeffekt habe ich wahrscheinlich zu ungenau ausgedrückt:
Wenn zwei verschiedene Therapeutinnen begeistert behandeln, bewirkt der Placeboeffekt bei beiden gleichermaßen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine subjektive Zufriedenheit und Besserung bei den Patient:innen.
Ein normaler und vielfach beschriebener Prozess, den niemand ernsthaft unterbinden wollte, da gebe ich dir völlig recht.
Um aber nun zu erkennen, ob die Behandlungsqualität (zB also durch eine evidenzbasierte Therapie oder eben nicht) auch eine eigene Wirkung zeigt, „rechne ich die Placebogröße bei beiden raus“ und schaue über eine möglichst große Menge an Behandlungsserien, ob darüberhinaus ein Unterschied besteht.
Denn erst dann ist so eine Schlussfolgerung möglich, hab ich mir zurechtgelegt.
Entschuldige, dass ich mich da unklar ausgedrückt habe, aber ich hoffe, das ist jetzt besser deutlich geworden.
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jensing schrieb:
@michael81 Lieber Kollege, hmmm - da könnte jetzt eine sehr grundsätzliche Diskussion draus entstehen.
Ich sag es mal einfach so.
„Symptombilder“, das klingt für mich nach:
Bestimmte Symptome (insbesondere Cluster von ihnen) geben erstmal Hinweise darauf dass es vielleicht bestimmte Faktoren gibt, die die Probleme verursachen. Für mich hat das, neben der Tatsache, dass Wissenschaft, die gesamte Lehre und die Diagnostik genau darauf beruhen, auch eine gewisse Logik.
Wenn ich Patient:innen begegne, denen zur Lösung ihrer Probleme genau die Auffassung im Weg steht, dass ihre Beschwerden einzig ihrer ganz eigenen und besonderen Beschaffenheit geschuldet sind, dann versuche ich ihnen mit einem Bild zu helfen:
Aktuell sind wir etwa 8 Milliarden Menschen, vor und nach uns gab und gibt es noch unzählige weitere. Die Wahrscheinlichkeit, dass es angesichts dieser Zahlen ein absolut einmaliges Phänomen gibt, das genau sie trifft, ist relativ gering.
Andersrum betrachtet ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr Problem auch viele viele andere Menschen betrifft. Wenn bei denen ähnliche „Symptombilder“ aufgetreten sind und die dann von bestimmten Maßnahmen oder Verhaltensweisen profitiert haben, könnte es zumindest einen Versuch wert sein, sich ähnlich zu verhalten …
Das klappt häufig ganz gut, bilde ich mir zumindest nach etwa 15.000 versorgten Patient:innen, und das sogar in verschiedenen Regionen und Ländern, ergo Kulturen, ein.
Ob das belegt, dass da „Ahnung vom Praxisalltag“ hintersteckt, mag dahingestellt bleiben.
Jedenfalls nimmt dieser Ansatz nach meiner Erfahrung den Menschen zudem auch ein bisschen diese Last der Einzigartigkeit, die in hoch individualistisch orientierten, gleichzeitig in manchen Bereichen immer wieder zur Esoterik neigenden Gesellschaften wie unserer verbreitet ist.
Selbstverständlich ist insbesondere die Kommunikation über mögliche Maßnahmen dann sehr angepasst an das Individuum, das tatsächlich wiederum eine Mischung aus verschiedenen Vorerfahrungen, Erwartungen, Auffassungen usw. mitbringt - das macht es ja so spannend im berühmten „Praxisalltag“.
Bei unseren skandinavischen Kolleg:innen wäre die Antwort auf die Idee, nicht von einem wissenschaftlichen Ansatz (wie oben beschrieben), sondern von einem hoch individualistischen aus zu starten, übrigens wahrscheinlich einfach:
„Hæ??”
Das mit dem Placeboeffekt habe ich wahrscheinlich zu ungenau ausgedrückt:
Wenn zwei verschiedene Therapeutinnen begeistert behandeln, bewirkt der Placeboeffekt bei beiden gleichermaßen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine subjektive Zufriedenheit und Besserung bei den Patient:innen.
Ein normaler und vielfach beschriebener Prozess, den niemand ernsthaft unterbinden wollte, da gebe ich dir völlig recht.
Um aber nun zu erkennen, ob die Behandlungsqualität (zB also durch eine evidenzbasierte Therapie oder eben nicht) auch eine eigene Wirkung zeigt, „rechne ich die Placebogröße bei beiden raus“ und schaue über eine möglichst große Menge an Behandlungsserien, ob darüberhinaus ein Unterschied besteht.
Denn erst dann ist so eine Schlussfolgerung möglich, hab ich mir zurechtgelegt.
Entschuldige, dass ich mich da unklar ausgedrückt habe, aber ich hoffe, das ist jetzt besser deutlich geworden.
Ich bieg mal hier ab, dir noch alles Gute,
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michael81 schrieb:
@jensing
Ich bieg mal hier ab, dir noch alles Gute,
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Problem beschreiben
michael81 schrieb:
@jensing
So sieht die perfekte Welt aus, so wird der Mainstream bedient.
Physios mit akademischer Ausbildung haben bestimmt einen hohen Wissenstand.
Aber es gibt doch immer die Kluft zwischen Wissen und praktischer Umsetzung.
aber darum geht es doch letztendlich, ich habe nurdie Befürchtung dass durch die Akademisierung der Zeitdruck zunimmt.
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