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Hilft Psychotherapie bei Rückenschmerzen?
Uniklinik Heidelberg sucht Studienteilnehmer.
02.05.2014 • 0 Kommentare

Jeder vierte Mensch, so schätzen Experten, leidet irgendwann in seinem Leben an chronischen muskuloskelettalen Schmerzen. Zu den häufigsten Problemen zählen Rückenschmerzen. Seit vielen Jahren schon sind sich Fachleute einig, dass diese viele verschiedene Ursachen haben können - darunter auch psychische.

Wissenschaftler um Professor Wolfgang Eich, Spezialist für chronische Schmerzen am Universitätsklinikum Heidelberg, erforschen nun, ob Patienten mit Rückenschmerzen genauso behandelt werden können wie Menschen nach einem psychischen Trauma: mit einer Form der Psychotherapie namens Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR.

Die Methode ist in der Traumatherapie mittlerweile anerkannt. Dabei werden Patienten dazu aufgefordert, über ihre Erlebnisse zu sprechen und dabei ihre Augen hin- und herzubewegen. Fachleute vermuten, dass die Bewegungen eine "bilaterale Stimulation" beider Gehirnhälften bewirken, die das "sprachlose Entsetzen" nach einem Trauma auflöst und die Verarbeitung von in der rechten Gehirnhälfte produzierten Schreckensbildern durch die linke Gehirnhälfte ermöglicht. Ähnlich wie während des REM-Schlafs könnten schnelle Augenbewegungen auch im Wachzustand dazu beitragen, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten.

Analog wollen die Heidelberger Forscher nun Rückenschmerzpatienten dazu anleiten, über mit íhrem Schmerz verbundene Situationen zu sprechen, während sie die Augen hin- und herbewegen. "Dies scheint Mechanismen in Gang zu setzen, durch die belastende Gedächtnisinhalte, z.B. von schmerzhaften oder emotional aufwühlenden Erlebnissen, neu verarbeitet werden. Sie führen dadurch zu emotionaler und körperlicher Entspannung sowie einer positiven Beeinflussung der Schmerzen", sagt Eich.

Ob das Konzept aufgeht, soll nun eine Studie an der Universitätsklinik Heidelberg klären, für die die Forscher noch nach Probanden suchen. Die Freiwilligen werden zufällig in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt, von denen die eine alle zwei Wochen für etwa 90 Minuten mit EMDR therapiert wird, während die andere keine Therapie erhält. Zu Beginn und am Ende der Studie sollen die Ergebnisse unter anderem mit Kernspintomographie verglichen werden.

Wer trotz Behandlung bereits länger als drei Monate unter chronischen Rückenschmerzen leidet, die nicht durch eine entzündliche Erkrankung, Brüche oder einen Bandscheibenvorfall verursacht sind, kommt als Proband in Frage. Interessierte Frauen und Männer sollte zudem zwischen 25 und 70 Jahre alt sein und derzeit keine Psychotherapie durchlaufen.


SH / physio.de

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