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Da liegt die Forschungsfrage auf der Hand, ob allein der Besuch des W:O:A einen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung haben könnte. Dr. Lydia Schneider und Professor Thomas Fritz untersuchten genau das und wagten 2023 den Weg ins Metal-Mekka, um ein Schmerzexperiment durchzuführen. Die Studie wurde nun in Scientific Reports veröffentlicht.
Ab ins Eisbad
Das Forschungsdesign war relativ simpel: Um die Schmerzempfindung möglichst objektiv zu erfassen, griffen Schneider und Fritz auf einen etablierten Test aus der Schmerzforschung zurück: den sogenannten Cold Pressor Test. Dabei tauchten die insgesamt 122 ProbandInnen ihre nicht-dominante Hand samt Unterarm in etwa zwei Grad kaltes Wasser. Gemessen wurde zunächst, wie lange es dauerte, bis die TeilnehmerInnen erstmals Schmerzen angaben, anschließend wurde erfasst, wie lange sie die Hand trotz des Schmerzes noch im Wasser lassen konnten. Zusätzlich sollten die TeilnehmerInnen auf einer Skala angeben, wie unangenehm sie den Schmerz empfanden.
Bei der Studie handelt es sich um ein „Between-Group-Design“. Die erste Testreihe mit 60 Personen wurde am ersten Tag, unmittelbar nach Ankunft der BesucherInnen und an einem Tag ohne Konzerte durchgeführt. Weil damit zu rechnen war, dass ProbandInnen auf einem Festival nach vier Tagen nicht noch einmal zuverlässig an einem Re-Test teilnehmen würden, testeten die ForscherInnen drei Tage später 62 andere TeilnehmerInnen. Aus dem Mittelwert sollte so ermittelt werden, ob sich die Schmerzwahrnehmung statistisch auffällig im Laufe des Festivals verschiebt.
Hopfige Einflussfaktoren
Bei der ersten Auswertung fiel das Ergebnis zunächst wenig spektakulär aus, denn die beiden Gruppen unterschieden sich nicht signifikant. Die Festivalbesucher nahmen den Schmerz weder später wahr, noch bewerteten sie ihn als weniger unangenehm. Auch bei der Schmerztoleranz zeigte sich in dieser vorab geplanten Analyse kein eindeutiger Unterschied. Auf einem Festival gilt es allerdings, einen großen Verzerrungsfaktor auszuschließen: den Alkohol. Seit 2017 versorgt eine ein Kilometer lange Bierpipeline das Festivalgelände, damit auch bei Sonnenschein niemand auf dem Trockenen sitzen bleibt – ein Problem für die Schmerzforschung.
Da die ProbandInnen in einem Fragebogen auch Angaben zu ihrem Trinkverhalten machten, konnten die ForscherInnen Testpersonen aus der Analyse ausschließen, die mehr als sechs alkoholische Getränke vor der Messung zu sich genommen hatten, und siehe da: Bei den 97 verbleibenden Metallern war auf einmal ein statistischer Effekt sichtbar. Wer sich bereits seit mehreren Tagen auf dem Festival befand, hielt seine Hand mit 103 Sekunden deutlich länger im Eiswasser als die Vergleichsgruppe vor Festivalbeginn mit lediglich 78 Sekunden.
Wird Metal ab sofort verschreibungspflichtig?
Die gute Nachricht für Liebhaber eher sanfterer Klänge: Nicht jeder Mensch muss jetzt Metal hören. Die Studie ist methodisch natürlich auf vielen verschiedenen Ebenen angreifbar, aber gerade das unscharfe „In-vivo“-Design macht die Geschichte hinter dem Experiment so reizvoll für die Praxis. Wer sich in einer Umgebung befindet, die Freude bereitet, wer Gleichgesinnte trifft, wer die Lieblingsmusik hört und sich viel bewegt (20.000 Schritte sind an einem Festivaltag keine Seltenheit), kann Schmerzen besser tolerieren.
Das ist auch wichtig für die Physiotherapie! Wenn Menschen aufgrund ihrer Schmerzen nicht mehr in der Lage dazu sind, mit Freude besetzte Aktivitäten durchzuführen, nimmt der Schmerz immer mehr Raum ein und wird bei gleichbleibender objektiver Intensität subjektiv immer größer. Das wesentliche Therapieziel sollte also immer auf der partizipatorischen Ebene liegen. Wie oft kommt es vor, dass PatientInnen sich (fristgerecht) dafür entschuldigen, einen Termin nicht wahrnehmen zu können, weil sie verabredet sind oder in den Urlaub fahren? Das ist kein Grund ein schlechtes Gewissen zu haben! Freude am Leben ist der beste Schmerzkiller und das zu verinnerlichen, ist Teil einer biopsychosozialen Physiotherapie. Vermutlich lindert also nicht nur Metal Schmerz, sondern alles, was das Leben lebenswert macht.
Daniel Bombien / physio.de
SchmerzenMusikSkurrilesStudie
Wobei Scherztherapie oder Herztherapie hier gleichermaßen passen würde. Ist es nicht längst nachgewiesen, dass wir Schmerz besser ertragen, wenn es uns ansonsten rundum gut geht? Kennt das nicht jeder von sich? Hab mir mal in einem wunderschönen Urlaub den Daumen in die Autotür geklemmt. Ja, tat richtig weh. Ging aber trotzdem irgendwie. Bei schlechter Laune hingegen, weil dies oder jenes mal wieder nicht klappt, im Stress mit dem Auto was besorgen und - peng. Da schmerzt der Daumen doppelt so sehr und ich lass mich 3 Tage krankschreiben.
Oder Kinderkriegen. Auch schmerzhaft. Trotzdem schnell vergessen und in den seltensten Fällen als angstbehaftetes Trauma angesehen.
Wie auch immer: angenehm, auch mal "unnötiges" zu lesen und nicht immer die Aussichtslosigkeit von (Berufs-)politik zu beklagen. Gibt es da auch Schmerzgrenzen?
Wünsche allen einen schmerzfreien Tag!
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Friedrich Merz schrieb:
Danke. Das fehlende "z" hat sich mittlerweile gefunden ;)
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neuer verSUSUch schrieb:
Gut, dass in der Überschrift nur das "z" weggelassen wurde und nicht das "m". Oder gar das "Sc" am Anfang . 😅
Wobei Scherztherapie oder Herztherapie hier gleichermaßen passen würde. Ist es nicht längst nachgewiesen, dass wir Schmerz besser ertragen, wenn es uns ansonsten rundum gut geht? Kennt das nicht jeder von sich? Hab mir mal in einem wunderschönen Urlaub den Daumen in die Autotür geklemmt. Ja, tat richtig weh. Ging aber trotzdem irgendwie. Bei schlechter Laune hingegen, weil dies oder jenes mal wieder nicht klappt, im Stress mit dem Auto was besorgen und - peng. Da schmerzt der Daumen doppelt so sehr und ich lass mich 3 Tage krankschreiben.
Oder Kinderkriegen. Auch schmerzhaft. Trotzdem schnell vergessen und in den seltensten Fällen als angstbehaftetes Trauma angesehen.
Wie auch immer: angenehm, auch mal "unnötiges" zu lesen und nicht immer die Aussichtslosigkeit von (Berufs-)politik zu beklagen. Gibt es da auch Schmerzgrenzen?
Wünsche allen einen schmerzfreien Tag!
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Stefan Arnold schrieb:
the_horns
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Stefan Preißler schrieb:
…., und das schmecken dann die Metaller raus….wüsste gerne genaueres über die Rezeptur 😁
OB ER WILL ODER NICHT!
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Sarah Gerbert schrieb:
Mein Nachbar hört Ac/Dc
OB ER WILL ODER NICHT!
Sehr sympathisch. Thunderstruck.... Ich würde das Intro gerne spielen können.
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edith385 schrieb:
@Sarah Gerbert
Sehr sympathisch. Thunderstruck.... Ich würde das Intro gerne spielen können.
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Leni C. schrieb:
Und Metal lindert nicht nur Schmerzen , sondern hilft auch an anderer Stelle . Am Wochennde bei " Kaum zu glauben " gesehen : ein Bäcker beschallt seinen Brotteig mit Metal-Musik , ist damit jetzt Hauptlieferant beim Wacken Open- Air . Metal - Musik soll angeblich dem Teig mehr Aroma verleihen .
Sitze ich in einem Zahnarztstuhl und starre bewegungslos an eine weiße Decke gibt's keine Ablenkung. Keinen Reiz, den das Gehirn zusätzlich verarbeiten soll. Volle Breitseite. Das Gehirn ist nicht abgelenkt bzw. muss nicht mehrere Reize gleichzeitig verarbeiten. Der Schmerz kommt voll an. Dazu muss man nicht nach Wacken fahren.
Eine mögliche Erklärungsgrundlage für Kinesiotapes.
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neuer verSUSUch schrieb:
Bei meinem Zahnarzt ist ein Labyrinth an die Decke gemalt. Bin immer damit beschäftigt, den Weg rauszufinden. Glaube, es gibt keinen. Aber die Ablenkung funktioniert ganz gut.
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edith385 schrieb:
Naja, das mit dem Schmerz findet man höchstwahrscheinlich nicht nur bei Metal, sondern generell immer dort wo der Mensch und das Gehirn positiv abgelenkt sind. Jogge ich durch einen Wald bei schöner Sonne und mein Arm begegnet zufällig ein paar Dornen am Wegesrand, merke ich das kaum und vielleicht erst am Ende.
Sitze ich in einem Zahnarztstuhl und starre bewegungslos an eine weiße Decke gibt's keine Ablenkung. Keinen Reiz, den das Gehirn zusätzlich verarbeiten soll. Volle Breitseite. Das Gehirn ist nicht abgelenkt bzw. muss nicht mehrere Reize gleichzeitig verarbeiten. Der Schmerz kommt voll an. Dazu muss man nicht nach Wacken fahren.
Eine mögliche Erklärungsgrundlage für Kinesiotapes.
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