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Krankheitsbilder
Rückenschmerzen weggehen
Reicht ein reines Gehtraining aus, um ein Rezidiv zu vermeiden?
05.10.2026 • 0 Kommentare
Lizenz: CC-BY •
Bewegung hilft gegen Rückenschmerzen – so einfach, so gut. Bevor PatientInnen in starre Bewegungskonzepte gezwungen werden (die sie häufig nicht langfristig durchführen), sollten Vorlieben genutzt und realistische Maßnahmen erwogen werden. Denn jede Form von Bewegung hilft gegen Rückenschmerzen (wir berichteten). Nachdem in der norwegischen HUNT-Studie Beobachtungsdaten Hinweise dafür lieferten, dass auch regelmäßiges Gehen Rückenschmerzen vorbeugen kann, veröffentlichte nun ein australisches Forschungsteam Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie zur Effektivität eines Gehtrainings.

Die WalkBack-Studie
701 Erwachsene, die sich kürzlich von einer Kreuzschmerzepisode erholt hatten, wurden in die Studie eingeschlossen und in zwei Gruppen unterteilt. Rund 96 Prozent der TeilnehmerInnen gaben an, in ihrem Leben schon mehr als zwei Rückenschmerzepisoden erlebt zu haben.

Die Interventionsgruppe erhielt über einen Zeitraum von sechs Monaten sechs Physiotherapie-Sitzungen, in denen ein progressives Gehprogramm aufgebaut wurde. Die TeilnehmerInnen sollten fünfmal pro Woche 30 Minuten gehen. Ergänzt wurde die Maßnahme durch Edukation zu Schmerzverständnis, Bewegungsangst und Selbstmanagement, während die Kontrollgruppe keine spezifische Behandlung erhielt und nach Aufnahme wieder in die „Freiheit“ entlassen wurde. In der Studie sollte vor allem ermittelt werden, inwiefern die Intervention das Wiederauftreten einer Rückenschmerzepisode verhindern konnte.

Die Ergebnisse
Das Programm senkte das Risiko eines Rückfalls deutlich. Nach drei Monaten gingen die ProbandInnen im Schnitt 160 Minuten wöchentlich spazieren. Die durchschnittliche Zeit bis zu einem Rezidiv betrug 208 Tage in der Gehgruppe, wohingegen die Kontrollgruppe lediglich 112 Tage bis zur nächsten Schmerzepisode warten musste. Das Risiko für erneute Rückenschmerzen sank also um 28 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, eine schwere, medizinisch behandlungsbedürftige Episode zu erleben, halbierte sich sogar.

Kosten-Nutzen-Abwägung
Die Intervention wurde auch aus ökonomischer Perspektive beleuchtet. Dabei wurden nicht nur die direkten Kosten des Gehprogramms berücksichtigt, sondern auch Gesundheitskosten durch Rückenschmerzen, Medikamente, Krankenhausaufenthalte sowie Arbeitsausfälle. Zunächst kostete die Betreuung während der Konsultationen 414 australische Dollar pro Person. Inklusive aller Materialien wie Schrittzähler und sonstiger Ausgaben lagen die gesellschaftlichen Kosten in der Interventionsgruppe mit 1.005 australischen Dollar sogar höher als in der Kontrollgruppe mit 840 australischen Dollar.

Allerdings berechneten die ForscherInnen dazu auch die qualitätskorrigierten Lebensjahre (quality-adjusted life years, QALY), denn die ProbandInnen aus der Interventionsgruppe gewannen aufgrund seltenerer Schmerzepisoden auch an Lebensqualität. Der zusätzliche Preis pro gewonnenem QALY lag bei 7.802 australischen Dollar – im australischen Gesundheitssystem damit bezahlbar, denn Beträge bis zu 28.000 australischen Dollar gelten als kosteneffektiv.

Praktischer Nutzen? Geht so.
Am Ende steht die Erkenntnis, dass Gehen besser ist als nichts zu tun, wobei die Stärke der Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen ist. Da die Kontrollgruppe keine therapeutische Aufmerksamkeit genießen durfte, ist nicht klar, ob die Effekte allein durch das Gehtraining oder auch durch die zusätzliche Betreuung zustande kamen. Wer ohnehin regelmäßige Physiotherapie-Termine im Kalender eingetragen hat, sucht auch seltener weiteres medizinisches Fachpersonal auf. Das kennt man aus der Praxis, in der Physios oft zum medizinischen Alltagsbetreuer werden.

Aus der Studie lässt sich nicht direkt ableiten, ob sportliche Interventionen Rückenschmerzen effektiver vorbeugen als reines Gehen, was allerdings relativ wahrscheinlich ist. Vorangegangene Studien weisen immer wieder darauf hin, dass höhere Belastungsintensitäten auch zu besseren Ergebnissen führen, beispielsweise durch die Beeinflussung von Entzündungsmediatoren.

Regelmäßiges Gehen sollte also definitiv von physiotherapeutischer Seite unterstützt werden. Ob dafür eine professionelle und damit auch kostenintensive „Überwachung“ notwendig ist, darf diskutiert werden.

Daniel Bombien / physio.de

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