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Primärversorgungssystem
Nordrhein-Westfalen legt vor
Laumann setzt auf klare Steuerung – Streit um Umsetzung zeichnet sich ab
14.04.2026 • 0 Kommentare

Erstes Konzept kommt aus den Ländern
Die Reform des Gesundheitssystems hin zu einem Primär­ver­sorgungs­system steht politisch weit oben auf der Agenda. Konkrete Vorschläge aus Berlin fehlen jedoch weiterhin. Diese Lücke nutzt nun Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Er legt ein eigenes Konzept vor und bringt damit Struktur in die Debatte. Ziel ist eine stärker gesteuerte, verbindliche und bedarfsgerechte ambulante Versorgung.

Steuerung wird verpflichtend
Im Zentrum steht eine verbindliche Ersteinschätzung. PatientInnen sollen künftig nicht mehr direkt in die Versorgung gehen, sondern zunächst eine strukturierte Einschätzung durchlaufen – idealerweise über die 116117. Dort wird Dringlichkeit und Behandlungsbedarf geklärt. Anschließend erfolgt die gezielte Weiterleitung in die passende Versorgungsebene.

Der entscheidende Punkt: Diese Steuerung basiert nicht auf Freiwilligkeit. Wer sie umgeht, muss mit Einschränkungen bei der Kostenübernahme rechnen. Damit wird aus einem Serviceinstrument ein echtes Steuerungsinstrument.

Plattform und Primär­ver­sorgungs­praxis
Voraussetzung ist eine funktionierende digitale Infrastruktur. Die 116117 soll zur zentralen Gesundheitsplattform ausgebaut werden – mit Zugriff auf die elektronische Patientenakte und perspektivisch auch mit Funktionen wie Überweisungen oder Verordnungen.

Im Zentrum der Versorgung stehen Primär­ver­sorgungs­praxen, vor allem hausärztliche Praxen. Sie koordinieren den Behandlungspfad, übernehmen Case Management und steuern den Zugang zur fachärztlichen Versorgung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen deutlich. Die Praxen sollen mehr Leistungen selbst erbringen und stärker im Team arbeiten.

Umsetzung und Rollenverteilung noch offen
Das Modell setzt auf multiprofessionelle Zusammenarbeit und eine stärkere Einbindung weiterer Gesundheitsberufe. Wie diese konkret ausgestaltet wird, bleibt jedoch offen. Der größte Konfliktpunkt liegt in der Umsetzung. Carola Reimann vom AOK-Bundesverband fordert eine Umsetzung in der Regelversorgung und stellt damit bestehende Modelle wie die hausarztzentrierte Versorgung infrage. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband widerspricht deutlich und sieht ohne solche Modelle keine realistische Umsetzung.

Struktur vorhanden, Umsetzung offen
Das NRW-Modell liefert erstmals eine konkrete Blaupause für das angestrebte Primär­ver­sorgungs­system. Es setzt auf klare Zuständigkeiten, verbindliche Steuerung und eine zentrale Rolle der Hausarztpraxis. Gleichzeitig bleiben entscheidende Fragen offen: die digitale Infrastruktur, die Einbindung der Gesundheitsberufe und die Wahl des Vertragsmodells.

Nordrhein-Westfalen bringt damit eine erste Ordnung in eine bislang unklare Debatte. Das Modell ist konsequent – und politisch brisant und die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt: Denn nicht die Idee der Primärversorgung ist umstritten, sondern ihre Umsetzung.

O.G. / physio.de

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